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„Kleidung nähen ohne Schnittmuster“ | Buchbesprechung

7 Kommentare

Auf kaum eine Buchbesprechung im Blog habe ich derart hingefiebert wie auf diese – und bei kaum einer fiel mir der Anfang so schwer. Steffis Blog „Herzekleid“ gehört wohl zu den allerersten, die ich mit Regelmäßigkeit zu lesen begann, nachdem ich meinen eigenen gestartet hatte. Und in der Zwischenzeit haben uns einige Blogprojekte, Blogtouren, und nicht zuletzt der Schnitt zum Cardigan „Kathi“ und die Stoffbüro-Jacquards zusammengeführt.

Dass ich also einigermaßen neugierig und aufgeregt bin seit dem Tag, an dem Steffi von ihrem Buch erzählte, versteht sich von selbst. Und da ist es: „Kleidung nähen ohne Schnittmuster“, erschienen bei EMF.

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Vor diesem Bild jedoch wurde dieses aufgenommen, den Annäherungsprozess dokumentierend:

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Den Annäherungsprozess, wohlgemerkt, nicht ans Buch – sondern ans Nähen „ohne Schnittmuster“. Das Buch selbst erschließt sich ohne Holpern, denn Steffi führt auf die ebenso zurückhaltende wie gründliche und gewissenhafte Art, die man von ihren E-Books und Anleitungen kennt, zum Thema hin und ans Konzept heran: Das Buch lade, schreibt sie, zum Experimentieren ein. Oh ja – das tut es. Nicht nur das: Es lädt dazu ein, die eigenen Kleidungswünsche und -vorlieben zu erkunden, und zu reflektieren. Auf diesem Wege bringt es Einsicht in die individuellen Gewohnheiten: Warum trage ich dieses Shirt lieber als jenes? Wieviel „Bequemlichkeitszugabe“ brauche ich, ab welchem Maß wird es mir zuviel?

All dies geschieht ganz nebenbei, es schleicht sich gewissermaßen an die Vorgehensweise heran und läuft dann mit ihr mit. Am Ende hielt ich drei Kleidungsstücke in den Händen, die gänzlich meinen Vorstellungen entsprechen und die schon jetzt Lieblingsstücke sind – wohl auch deshalb, weil ich während des Maßnehmens, Zeichnens und Ausprobierens zum Abgleich die Lieblingsstücke aus dem Kleiderschrank heranzog. Die Saumweite eines Rockes wünsche ich mir – wie bei diesem Kleid. Den Ausschnitt eines Shirts – wie bei diesem Shirt. Den Saum aber wie bei jenem, usw.

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Am Anfang eines Nähprojekts aus diesem Buch aber steht: Das Maßnehmen. Wer dann die ermittelten Maße (Oberweite, Taille, Hüftweite und ein paar ergänzende Maße) in eine Tabelle eingetragen, wer Geodreieck und Lineal bereitgelegt und eben besagte Lieblingsstücke aus dem Kleiderschrank herausgesucht hat, der kann loslegen. Direkt auf Stoff – oder vorerst auf Papier. Ich habe mich für einen selbstgezeichneten Papierschnitt entschieden, aus Gewohnheit, aus Sicherheitsbedürfnis und mit der Idee, an einem Papierschnitt weiterfeilen und ihn wiedernähen zu können.

In kleinteiligen und präzise erläuterten und bebilderten Schritten erläutert Steffi, wie man von den eigenen Maßen zum Schnitt gelangt: Hier ein Punkt, dort noch einer, und weiter unten ein letzter. Da eine Linie, hier ein Winkel. Den Halsausschnitt einzeichnen, und man sieht ein fertiges Schnittteil vor sich liegen! Freilich entsteht auf diesem Wege kein schmaler Shirt-Schnitt mit präzise sitzender Armkugel – jedoch: Ein modisches Shirt mit überschnittenen Schultern und minimalem Fledermaus-Effekt.

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Eine Modellübersicht findet Ihr in Steffis eigenem Post zu ihrem Buch. Die Übersicht zeigt 15 Projekte, vom Basic-Oberteil über verschiedene Jacken-Versionen und Rockmodelle bis hin zu sommerlichen Kleidern und Tops. Das Buch lädt zu einem Vielfachen dieser Zahl ein, zum Variieren, Anpassen, wieder: Zum Experimentieren. Ich habe mich für mein Ensemble weitestgehend an die Anleitungen gehalten, auch deshalb, weil ich sie alleine schon hinreichend überzeugend fand. Zum Beispiel: Den „Vokuhila“-Saum am Shirt.

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Ich zeige Euch hier also den Basic-Schnitt für ein Oberteil aus Jersey. Eine Version aus Webware würde nach dem gleichen Prinzip gezeichnet, jedoch mit größeren Zugaben zu den eigenen Maßen. Dazu habe ich den Kellerfalten-Rock mit Fake-Knopfleiste genäht. Auch diesen in der Version für dehnbare Stoffe: Ich habe dafür zu Denim Sweat gegriffen – im Jeanslook, und dabei weich und bequem.

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Wer Steffis E-Books kennt, weiß ihre detaillierten Anleitungen zu schätzen – im Buch nicht nur für die Schnitterstellung, sondern auch für die Arbeitsschritte beim Nähen. Und flugs ist das Ensemble komplett mit einem offenen Cardigan mit Schalkragen, aus weichem Stricksweat. Schnell genäht sind die Modelle nämlich obendrein:

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Weil mit dem Schalkragen schon ein Streifenspielerei-Effekt entstand, habe ich die Ärmelbündchen zusätzlich schräg zugeschnitten. So kommen die Ringel zur Geltung, ohne dass die Jacke an Schlichtheit und Basic-Charakter verlöre:

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Dass es mich am Ende in den Fingern juckte, und ich das Prinzip auch für ein Mädchen-Outfit testen wollte, überrascht Euch sicher nicht mehr. Und: Es funktioniert!

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Auch hier der Kellerfalten-Rock aus Denim Sweat, und ein Basic-Shirt in passendem Punkte-Jersey.

"Kleidung nähen ohne Schnittmuster" | Stefanie Brugger

Seid Ihr neugierig geworden auf das Buch? Steffi zeigt Euch weitere Einblicke, und auch auf der Webseite des Verlags könnt Ihr ein wenig hineinblättern (hier). Am besten aber Ihr hängt Euch an die lose Blogtour: Bei Kristina könnt Ihr bereits ein erstes Outfit sehen, und bis Ende November werden Euch Petra, Selina, Sindy, Silvia und Johy ihre Projekte präsentieren. Seid herzlich dazu eingeladen, Euch von unserer Begeisterung anstecken zu lassen!

Stoffe:

Mit einem herzlichen Dankeschön an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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7 Kommentare zu “„Kleidung nähen ohne Schnittmuster“ | Buchbesprechung

  1. Hach, dein Outfit sieht einfach toll aus! Und die Mädchenversion find ich auch einfach klasse!

    LG
    Kristina

  2. Liebe Catrin,

    ganz herzlichen Dank für die ausführliche Buchbesprechung und die wundervollen Beispiele! Die Sachen stehen Dir wirklich gut – und die Streifenspielereien an der Jacke gefallen mir besonders.

    Du schreibst, das Buch lade ein, „die eigenen Kleidungswünsche und -vorlieben zu erkunden und zu reflektieren“ – ja, da hast Du wohl Recht. Es geht wirklich um „selfishsewing“, um ganz individuelle Stücke, und das funktioniert am besten, wenn man für sich selbst näht, für den eigenen Körper und natürlich nach dem eigenen Geschmack. Das, was ich mit „Catrin-Stil“ 😉 verbinde, erkenne ich in diesem schönen Outfit wieder, und ich freue mich, dass das so gut gelungen ist! Und die Kindersachen sind eine super Idee!

    Liebe Grüße,
    Steffi

  3. Liebe Catrin, ich war ja sehr gespannt auf deine Beispiele! Und sie sind Dir mehr als gelungen! Und ich gebe Steffi recht, ganz „Catrin“-Style!
    Die Idee es auf die Kinder zu übertragen , muss ich doch glatt auch aufgreifen!
    Liebe Grüsse
    Johy

  4. Liebe Catrin,
    spannend und skeptisch zugleich (ich darf das sein)… Aber es funktioniert und macht dich glücklich und das ist dann wohl die Hauptsache!
    Liebe Grüße
    Monika

  5. Hallo, gefällt mir das Outfit, vor allem die Streifenspielereien, ganz toll. So kleine Details, die mein Herz erfreuen.

  6. Hey tolle Sachen hast du da genäht. Das Buch werde ich mir auch kaufen und deine Nähmaschiene aus Bügelperlen werde ich auch mal machen.
    LG Marion

  7. Ich bin noch gar nicht dazu gekommen, hier zu kommentieren …
    Großartig, was du da alles genäht hast!
    Ich glaube, das ist die beste Rezension über dieses tolle Buch … man will einfach immer weiternähen und experimentieren … ♥

    Alles Liebe! Petra

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