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Viele Fliegen (#myfallessentials)

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Der Herbst wird Honiggelb, Herbstlaubrot und Schokobraun. Theoretisch. Aber fangen wir von vorne an.

#myfallessentials

Während der Entstehung der Garderobe des nunmehr vergangenen Sommers faszinierte mich, wie sich, stellt man deren Zusammenstellung bestimmte Überlegungen voran, alle Einzelteile zusammenfügen zu einem „großen Ganzen“, wie sie sich vielfältig neu untereinander kombinieren lassen, und wie auf diese Weise ein Kleiderschrank entstehen kann, der gleichermaßen übersichtlich wie reichhaltig ist: Die allzu bekannten „Schrankleichen“, zu denen keine geeigneten Kombi-Stücke vorhanden sind und die deshalb nicht zum Einsatz kommen – diese „Schrankleichen“ finden sich dort nicht, und so gewinnt der Kleiderschrank seine Reichhaltigkeit aus der Kombinationsfreude weniger, aber sorgsam zusammengestellter Stücke.

#myfallessentials

Meine Garderobe begann, eben so zu funktionieren, wie es Elke, Sindy und Lena in ihrer Reihe zu den „Spring Essentials“ skizziert hatten: Die Einzelstücke „vernetzten“ sich, sie waren keine Einzelstücke mehr, sondern Elemente eines farblich und stilistisch harmonischen Pools, die sich beliebig untereinander kombinieren ließen, so dass – beispielsweise – der gelbe Rock nicht nur auf ein passendes Oberteil zurückgreifen konnte, sondern auf eine Mehrzahl an Shirts und Blusen, die sich wiederum ebenso gut zum taupefarbenen Rock machten.

#myfallessentials

Dass die Planungen – insbesondere die Nähpläne – für die Herbst- und Wintergarderobe also möglichst nach demselben Schema vonstattengehen sollten, lag auf der Hand. Über die Einladung, an dieser Reihe zu den „Fall Essentials“ teilzunehmen, freue ich mich sehr – herzlichen Dank an Sindy, Elke und Lena, die in der vergangenen Woche den Anfang gemacht hat und das Stöckchen an mich weiterreicht, bevor es am kommenden Donnerstag Sindy übernimmt.

Grundsätzliches | Farben

Seit dem vergangenen Näh-Camp trage ich den Farbpass mit mir herum, der heißt, wie die aktuelle Jahreszeit: Die Herbst-Palette besteht aus warmen, satten, kräftigen Farbtönen – Honiggelb, Herbstlaubrot, Schokobraun. Senfgelb, Ockergelb, Orangerot, Rotorange – Grasgrün bis Khaki, ein warmes, dunkles Lila, ein sanfter Taupe-Ton.

#myfallessentialsMeine Favoriten sind die Gelb-, Orange- bis Rottöne, und – eigentlich – Braun. „Eigentlich“, denn: Farben sind in der Mode nicht beliebig verfügbar. Gelb – als eher dunkles Senfgelb, Goldgelb, Honiggelb – ist momentan recht einfach zu bekommen. Schwieriger wird es in Richtung Rot, Braun liegt so gar nicht im Trend. Der Herbst wird also nur „theoretisch“ Honiggelb, Herbstlaubrot und Schokobraun: Voraussichtlich werdet Ihr auch für die kommende Jahreszeit hier vorwiegend Gelb zu sehen bekommen, dieses Shirt schlägt die Richtung bereits ein:

Fritzi/Schnittreif | "FrauJette"

Grundsätzliches | Stil

Sicherlich wird es „Ausreißer“ geben, die sich diesem Schema nicht fügen – es wird bei Gelegenheit Schwarz sein dürfen, oder Pink. Dabei kommt den Planungen zugute, dass der Herbst so viel einfacher ist als der Sommer – in Folge des Eingeständnisses, dass ich in der kalten und nassen Jahreszeit letztlich doch beinahe ausschließlich Jeans und Shirt, Bluse oder Sweatshirt trage. Jeans in klassischem Denimblau, am liebsten mit Bootcut-Beinen – ein unaufdringliches und auf positive Weise wenig bemerkenswertes Kleidungsstück, das schlichtweg „zu allem passt“ und das umständliche Fragen nach möglichen Kombi-Stücken erübrigt.

#myfallessentials

Ähnliche Überlegungen könnt Ihr übrigens bei Tessa nachlesen: Nachdem also Jeans gesetzt sind, sind die Möglichkeiten bei Oberteilen (Langarmshirts, Sweatshirts, Hoodies, auch Longshirts oder Tuniken) kaum noch eingeschränkt, weder farblich, noch im Hinblick auf Schnitte.

Als Kriterium für Oberteile aber gilt: Sie müssen jackentauglich sein, also auch cardigantauglich. Schlichte Strickjacken oder offene Cardigans aus Jersey oder Sweat gehören für mich unbedingt dazu: Einfarbig in zurückhaltenden Tönen (idealerweise zum Beispiel: Schokobraun – oder: Senfgelb), um vielfältig kombiniert werden zu können.

Immer wieder: Gelb.

Ich wünsche mir außerdem ein Sweatkleid, vielleicht zwei. Röcke streiche ich von der Liste, aus der Erfahrung heraus, dass ich sie ohnehin nicht tragen würde.

Tücher, Schals und Loops schließlich sind ein Muss, und auch hier achte ich auf schlichte Designs (vorzugsweise uni) und gut kombinierbare Farben (Honiggelb, Herbstlaubrot, Schokobraun).

:: stoffbüro :: | Farbensause | Gelb

Grundsätzliches | Umfang

Die Fragen nach dem „Wieviel“ und dem „Brauchen“ sind rasch beantwortet: Weniger. Weniger Kleidungsstücke, sorgsam ausgewählt und mit Bedacht zusammengestellt, aus hochwertigen und haltbaren Materialien. Bei all den Mühen, die ich unternehme, um meine Garderobe zu planen und zu einem großen Teil auch selbst herzustellen, setze ich auf hochwertige Stoffe, um an einer geringeren Anzahl von Kleidungsstücken, die ich aber tatsächlich trage und nicht achtlos im Schrank vergesse, länger Freude zu haben.

Es dürfen für diese Saison, zusätzlich zum bereits Vorhandenen ein paar Langarmshirts sein, für die kälteren Temperaturen zwei Sweatshirts oder Hoodies. Vielleicht nur eines, vielleicht drei – je nach Zeit und tatsächlichen Temperaturen. Ein Sweatkleid – und anstelle eines Langarmshirts gerne eine langärmelige Bluse, z.B. aus Double Gauze, der für die kalte Saison etwas wärmer ist, und so weich.

#myfallessentials

Die ominösen Tabellen

Um den Überblick über geplante Nähprojekte behalten zu können, habe ich im Frühling begonnen, mir die Stoffe, die ich gerne vernähen wollte, und die Schnitte, die mich interessierten, in Tabellen einzutragen, um sie dann einander zuzuordnen. Das waren zunächst Optionen, reine Gedankenspiele, um nichts zu vergessen und um Klarheit zu gewinnen.

Bald trat eine dritte Spalte mit dem Titel „Kombi“ hinzu, in die z.B. ich einem geplanten Shirt ein oder mehrere bereits vorhandene Hosen oder Röcke zuordnete, die zu dem potentiellen Shirt passten. Blieb das Feld leer, so fiel das Projekt wieder heraus, oder es wurde ihm in der Rubrik „Röcke“ ein entsprechendes Ergänzungsstück zugeordnet, das ebenfalls neu entstehen musste. Zufrieden war ich mit einem Projekt erst dann, wenn ihm mindestens zwei Kombi-Teile zugeordnet waren – dem Shirt ebenso wie dem Rock.

#myfallessentials

Der Herbst ist dabei so viel einfacher, als es der Sommer war – eben weil meine Präferenz auf der Kombination von dunklen Jeans und Shirt liegt. Die Kombi-Spalte ist bislang bei allen angedachten Nähprojekten leer, soll heißen: Jeans 1, Jeans 2, Jeans 3.

Viele Fliegen

So gelingt es hoffentlich auch im Herbst wieder, die sprichwörtlichen vielen Fliegen mit einer Klappe – mit einem Kleidungsstück oder Accessoire zu schlagen: Ein Kleiderschrank voller Lieblingsstücke, die sich bewähren müssen, noch bevor sie überhaupt entstehen – und die dann lange Freude bereiten, weil sie aufeinander abgestimmt sind und aus hochwertigen und haltbaren Materialien gefertigt sind.

7+1, oder: Noch mehr Kleiderschränke

Das funktioniert für Kinder übrigens genauso. Bunte Jeans in fröhlichen Farben sind zweifellos hübsch, aber die Erfahrung, dass meist das passende Shirt dazu fehlt, haben bestimmt viele schon gemacht. Die Kleiderschränke der Kinder müssen regelmäßig umgekrempelt und sortiert werden, und wie bedauerlich ist es dann, eine hübsche Hose herauszukramen, die allzu selten getragen wurde, weil kein passendes Shirt dazu vorhanden war.

So überzogen es klingen mag, aber auch hier greife ich auf die Tabellen zurück – und auf die Vorliebe für dunkelblaue Jeans. Etwas komplizierter freilich ist es bei der Mädchengarderobe, und bei rasch wechselnden Lieblingsfarben ist eine Festlegung auf eine Palette nicht unbedingt durchsetzbar. Aber auch hier entsteht kein Kleid und kein Rock mehr ohne die vorangestellte Überlegung: Was passt dazu? Wird etwas Neues dazu benötigt? Ist es per Lagenlook usw. durch verschiedene Jahreszeiten hindurch nutzbar, um möglichst häufig getragen werden zu können, so lange eben diese Größe passt? Auch: Um den Umfang des Kleiderschrankes möglichst klein zu halten, weil die Stücke vielfältig nutzbar sind. Schließlich: Nähe ich dieses Röckchen und sprenge ich dann mit dem passenden Shirt den tatsächlichen Bedarf an Shirts? Meine Rechnung ist mit 7+1 sicherlich schon großzügig: Ein frisches für jeden Tag und eines als Ersatz. Pro Rock kann evtl. eine Hose wegfallen, pro Strickjacke, die zum Kurzarmshirt kombiniert wird, ein Langarmshirt.

So entsteht dann beispielsweise, zur gelben Jogginghose oder zur Jeans, ein grau getupftes Shirt mit Blumen-Applikation, das ebenso als Drunterzieh-Shirt für eine ärmellose gelbe Tunika gedacht war, die auf diesem Wege vom Sommer in den Winter gerettet wird – bevor sie im kommenden Sommer evtl. schon zu klein ist.

Immer wieder: Gelb.

Ein langer Post, textreich und arm an Bildern – ich danke Euch für’s Lesen und freue mich auf Eure Gedanken! Derweil gebe ich weiter an Sindy, die Euch am 25.9. ihre Pläne vorstellen wird. Seid herzlich eingeladen, der Reihe zu folgen und Euch durch die Blogs und Posts auch von Steffi und Sandra zu klicken!

#myfallessentials

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10 Kommentare zu “Viele Fliegen (#myfallessentials)

  1. Ein toller Post. Vielen Dank für die Mühe.
    Ich habe, angestachelt von Lena, diese Woche auch über #myfallsessentials gebloggt (http://fraualberta.blogspot.de/2015/09/vernetzter-kleiderschrank.html ). Die Farben sind sich sehr ähnlich und beim Anblick deines Farbpasses leuchten meine Augen 🙂
    Tabellen mag ich bei diesen Überlegungen auch und finde sie sehr hilfreich.
    Ich bin gespannt auf deine Herbstgarderobe, besonders aus evtl. genähte Cardigans.
    Liebe Grüße
    Anika

  2. Liebe Catrin,
    tja, was soll ich dem nach hinzufügen? Sehe ich genauso, mache ich genauso. Punkt. *lach*
    Ich habe schon ein wenig zu ‚myfallessentials getippt und musste schmunzeln, dass ich bei Dir nun fast eins zu eins meine Worte finde, z. B. zum „Blusenproblem“…
    Ich freue mich jedenfalls sehr, Deine genähten Herbst dann bewundern zu können, der Sommer war schon ein Traum…
    Herzlichst,
    Tessa

  3. Das hat es also mit den Tabellen auf sich! 😉 Ich muss gestehen, so ordentlich mach ich das nicht, aber bei meinen Skizzen und Kritzeleien, die es manchmal nicht mal aufs Papier schaffen, stecken sehr ähnliche Überlegungen dahinter. Es bewährt sich einfach, vor jedem neuen Stück zu überlegen, ob es sich in den bestehenden Kleiderschrank einfügen wird.
    Schön, dass Du auch die Kindersachen ansprichst, da find ich das ja genauso wichtig.
    Jetzt hoff ich nur noch für Dich, dass Du was in Schokobraun findest! 🙂
    GLG, Steffi

  4. Liebe Catrin,
    hihi. „Schlichte Strickjacken in zurückhaltenden Tönen, wie gelb zum Beispiel.“ Dein Text ist klasse! Was soll ich denn im Oktober überhaupt noch schreiben nachdem Lena und du schon so viel gesagt habt? 7+1 ist eine einfache Formel. Bei meinem Großen ist sie noch einfacher: 2. Geht es noch minimalistischer?

    Daran will ich mir dann aber doch kein Beispiel nehmen. Das wäre mir zu langweilig. Deine Tabellenidee schleppe ich schon seit den Spring Essentials mit mir herum. Versuche ich doch die ganze Zeit, daraus eine Matrix zu erstellen. Hier komme ich nur leider an meine mathematischen Grenzen. Das mit den Sommerkleidern als Tunika setzt meine Kleine alleine um, schon deswegen, weil sie einfach Kleider tragen will. Vor allem die schwingenden Sommerkleidchen. Shirt drunter. Fertig. Farblich ist das bei uns noch nicht so abgestimmt, aber die Hosen und Leggings werden jetzt meinerseits dezenter gestaltet aus von dir oben genannten Gründen. Schmunzeln muss ich darüber, dass bei dir ein Satz über 9 Zeilen gehen kann. Sowas kann ich nicht.
    Liebe Grüße,
    Elke

    • Liebe Elke,

      herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Um ehrlich zu sein – anfangs stand bei den dezenten Farbtönen tatsächlich nur Braun, was dann aber kollidierte mit der gelben Coco-Jacke auf den Fotos, so dass das Gelb noch mit in die Klammer gerutscht ist, durchaus mit einem Augenzwinkern. Wobei sich im Sommer Gelb durchaus als dezente Basic-Farbe entpuppt hat ;-).

      Und wie lang war nun dieser Satz? 😉

      Liebe Grüße!

  5. Eine sehr schöne Herangehensweise! So eine Tabelle habe ich im Frühling auch mal versucht. Aber es waren einfach schon zu viele nicht-kombinierbare Teile im Schrank. Wie bei allen Methoden gilt: von vorne anfangen ist immer viel einfacher. Deshalb mag ich die Capsule auch so gerne beim Kinder-Kleiderschrank. Da muss man notgedrungen immer mal wieder ausmisten. Vielleicht starte ich ja doch noch das Projekt Herbst, ist ja wirklich etwas einfacher mit Jeans ;.)

  6. Liebe Catrin, ein toller, vielschichtiger und inspirierender Beitrag ist dir da gelungen. Deine Überlegungen gefallen mir sehr und ich bin schon ganz gespannt auf die Umsetzung. Die Tabellen und die 7+1-Regel klingen vernünftig und fundiert.
    Leider muss ich dir recht geben, was die farblichen Grenzen angeht. Mir scheint, dass ein Großteil der Stoffauswahl, die es am Markt so gibt, sich auf grau, türkis-Töne, pink-Töne etc. beschränkt. Zu 90% kalte Farben. Beispielsweise ein schönes, warmes Grasgrün, wie ich es mir für meine Sommergarderobe gewünscht hätte, ist quasi non-existent. Und Marsala/dunkelrot ist Pantone-Farbe des Jahres. Warum gibt es da dann null Stoffauswahl? Das macht mich ratlos. Aber dir wird schon was einfallen. Notfalls machen wir bei Elke einen Färbe- und Druck-Kurs 😉
    Liebe Grüße, Lena

  7. Wohlstrukturiert, tolle Farben, genau meine. Aber wenn Du schon nicht daran kommst *jammer*
    Mittlerweile mache ich mir auch vermehrt über den Kleiderschrank der Mädels Gedanken – soweit ich noch mitreden darf. Aber die Definition einer Lieblingsfarbe erleichtert die Auswahl ungemein…
    Liebe Grüße
    Sandra

  8. Wow, du hast das alles super strukturiert auf’s Papier gebracht! Dein Beitrag hat mich wieder sehr inspiriert, bei mir gibt es im Moment Tausende Wünsche, tausende Schnitte und irgendwie kommt nichts dabei rum, weil ich überfordert bin. Deine Tabellenidee ist ja klasse! Da könnte ich mal schauen für welche angedachten Schnitte schon Stoff vorhanden wäre – die könnte ich dann ja als erstes Nähen 😉
    Alles liebe, Freja.

  9. Pingback: Garderoben Remake: Die Farbberatung | made with Blümchen

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