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Grundsätzliches (1)

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Tessa lädt ein, über den eigenen Kleiderschrank, über die eigene Garderobe, über Lieblingsstücke, Basics und die Klamotten für „besondere Gelegenheiten“ nachzudenken – und dabei selbstverständlich auch über die Frage, welche Rolle Selbstgemachtes, Selbstgenähtes dabei spielen kann, darf, soll. Ich bedanke mich für die Anstöße und bin sehr gerne dabei!, nicht zuletzt, weil meine eigenen Überlegungen in letzter Zeit um genau diese Frage kreisten; weil ich, wie Tessa, dem Kleiderschrank eine radikale Schlankheitskur verordnet und einmal beherzt ausgeräumt und wegsortiert habe. Ein mehr oder weniger turnusmäßiges Ausmisten hat nicht nur mit wechselnden Moden zu tun – es hat auch zu tun mit dem eigenen, mit veränderten Lebenssituationen – und, seien wir ehrlich: mit dem Alter – sich wandelnden Stil, der im besten Falle mit der eben jeweiligen Lebenssituation vereinbar ist.

„Wie würde mein Wunschkleiderschrank aussehen?“: Dies ist Tessas erste Frage, und ein wunderbarer Einstieg ins Thema.

Klein. Übersichtlich. Stringent. Sicherlich ist es reizvoll, täglich vor einer schier unbegrenzten Auswahl an möglichen Outfits für den einzelnen Tag zu stehen – dann aber bräuchte man nicht nur viel Geld und Zeit, um sich diesen Kleiderschrank zusammen zu stellen, sondern ebenso Zeit und Muße, jeden Tag auf’s Neue, um sich die Kombination, um sich das Outfit für ebenjenen Tag herauszusuchen. Die einzelnen Bewohner dieses Wunschkleiderschranks sollen also zueinander passen wie die Mitbewohner einer harmonischen WG: Es gibt die Zurückhaltenden und Unauffälligen, es gibt die „bunten Hunde“, und es gibt die Integrativkräfte, die alles zusammenhalten können, die zu beiden passen und beide an denselben Tisch zu bringen vermögen. Es gibt also zurückhaltende Unis, gut und universell kombinierbare Strickjacken in Basic-Farben, und auffällig gemusterte Teile, die auf diese Grundausstattung angewiesen sind. Die Farben, Muster und Schnitte im Kleiderschrank fügen sich zusammen zu einen „großen Ganzen“, das es erlaubt, auch mehr oder weniger blind hineinzugreifen und dennoch auf Anhieb ein passendes Outfit in den Händen zu halten.

Gleiches gilt übrigens für das Schuhregal – mein eigenes Fach ist sehr übersichtlich, und letzten Endes trägt mich doch beinahe jeden Tag dasselbe Paar durch die Welt: Schlicht, braun, bequem. Und: Es passt zu allem. Heute bringe ich die Schuhe zum Schuster, um sie neu besohlen zu lassen. Was mache ich bloß in den kommenden Tagen?

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Und Gleiches gilt auch für die Taschenfrage; auch hier bin ich bislang recht reduziert unterwegs, und möchte es auch künftig bleiben. Dabei geht die stets und überall getragene schwarze Kuriertasche langsam aus dem Leim; Ersatz muss her. Etwas weniger studentisch darf es mittlerweile sein, aber die exklusive Rolle soll dem neuen Stück überschrieben werden. Das heißt: Schlichte Farben, die zum Schema passen, ein Material, das es auch mal aushält, auf dem Fußboden abgestellt zu werden – und eine Geräumigkeit, die dennoch keinen Seesack bedingt. Und weil sich nichts zu kaufen fand, was diesen Anforderungen gerecht werden konnte, liegt nun dies hier auf dem Näh-Tisch:

Grundsätzliches (1)

Ich bin nie einem Beruf nachgegangen, der es notwendig gemacht hätte, in genuiner „Berufskleidung“ aus dem Haus zu gehen: Im Kostüm, im Hosenanzug, oder in irgendeiner besonderen Weise „herausgeputzt“. Und so trage ich doch zumeist, klassisch und eher sportlich, Jeans und T-Shirt – dazu soll auch diese Tasche passen. Zum „meinen“ Farben habe ich mittlerweile gefunden, auch zu „meinen“ Mustern und Schnitten – so dass sich ein „Lieblingsstück“ eben dadurch definiert, dass es sich in dieses Schema fügt. Das kann ein auffällig gemustertes Shirt oder Sweatshirt sein – gerade davon gab es in den vergangenen Wochen einige neue (die ich Euch, jedes für sich, noch zeigen werde).

Grundsätzliches (1)

Das kann aber auch ein buntes Unterteil sein, das idealerweise zeitgleich mit einem passenden Uni-Basic in den Schrank einzieht, so dass es nicht als Paradiesvogel ein letztlich ungetragenes Dasein fristen muss. Kombinierbarkeit steht also an wichtiger Stelle, ebenso aber Hochwertigkeit: Der alte Spruch vom „Weniger ist mehr“ reduziert das Volumen und ermöglicht so, ein genaueres Augenmerk auf jedes einzelne Stück zu richten, auf dessen Eignung und Qualität. Und weil, mit zunehmender Übung und Routine, auch die selbstgenähten Sachen mehr und mehr diesen Ansprüchen gerecht werden, spielt Selbstgemachtes mittlerweile eine herausragende, dabei aber recht unspektakuläre Rolle in diesem Kleiderschrank. Das heißt nichts anderes, als dass es alltäglich und selbstverständlich ist, und es heißt auch, dass es durchaus nicht herausschreien muss (oder soll!): „Schau mich an, ich bin selbstgenäht!“

Abschließend für heute? Ich möchte Euch ein wenig an meinen aktuellen Überlegungen zu einem der kommenden selbstgeschneiderten Stücke teilhaben lassen: Auf dem Näh-Camp in Berlin soll der Schnittchen-Mantel „Johanna“ entstehen. Nach einigem Hin und Her – denn sicherlich sehen gemusterte oder sehr farbenfrohe Mäntel sehr schick aus! – habe ich mich entschieden für einen ganz schlichten schwarzen Twill, gewissermaßen vorgreifend auf diese Überlegungen. Auch im Detail des aufgesetzten Reißverschlusses bleibt der Mantel zurückhaltend: Schwarz nämlich. So stellt sich einzig die Frage nach dem Futter; ich stelle vier Stoffe nebeneinander, auf zwei Bildern: Auffällige und zurückhaltende Muster, bunt und zurückhaltend – was meint Ihr?

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Vielleicht sollte ich mir mit der Entscheidung bis zur kommenden Woche Zeit lassen, wenn es bei Tessa um Farben und Muster gehen wird? >> Hier << sammelt sie zunächst die heutigen Gedanken und Überlegungen.

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9 Kommentare zu “Grundsätzliches (1)

  1. Liebe Catrin,
    vielen herzlichen Dank für den tollen Beitrag.
    Ich würdde mich bei Bild 1 für den rechten und bei Bild 2 für den linken entscheiden und wahrscheinlich zwischen diesen beiden dann doch für den bunten, denn ein schwarzer Mantel verträgt einen kleinen Hingucker, gerade im Fühling und es ist ja „nur“ das Futter.
    Der Stoff von Bild 2, links gefällt mir aber am allerbesten, da könnte ich mir mal wieder eine tolle Tunika vorstellen.
    Ich bin gespannt wie Du Dich entscheiden wirst.
    Viele Grüße,
    Tessa

  2. Ich würde den Stoff unten links fürs Futter nehmen 🙂
    Und ganz allgemein kann ich – ist wohl keine Überraschung – so gut wie alles, das Du geschrieben hast, einfach mal unterschreiben.
    An der Kombinierbarkeit arbeite ich bei mir noch ein bisschen und ja, ich finde auch, dass Schuhe da wichtig sind – bei mir fehlt es jedenfalls oft nur noch an denen 😉
    Übrigens finde ich, dass bei den Sachen, die Du für Dich nähst, schon ein eindeutiger Catrin-Stil zu erkennen ist – das finde ich toll; ich selbst bin mir doch öfter noch nicht ganz so sicher, was ich eigentlich will…
    Ausführlicher lässt mein Sohn mich jetzt nicht antworten ;-), aber ich verfolge das Thema weiterhin mit Spannung…
    LG, Steffi

  3. Liebe Catrin,
    toll formuliert, das Ganze!
    Das mit dem einen Paar Schuhe geht bei mir nicht. Mein Schuhreservoir ist zwar auch recht übersichtlich und farblich dezent, aber ich wechsle doch gerne durch. Allein auch deswegen, weil unsere Straße nicht befestigt ist und mindestens ein Paar Schuhe ständig schmutzig ist.

    Die Berufs“uniform“ hatte ich mal. Es kann ganz schön erleichternd sein, wenn die Kleidung vorgegeben ist. Hosenanzug, Kostüm, Bluse. Dann hat man schnell sein Tagesoutfit zusammengesucht, vorausgesetzt, es ist auch alles gebügelt und muss nicht in letzter Sekunde noch unters Eisen.

    Aber seit ein paar Jahren ist mein Kleiderschrank auch sehr leger und für die Freizeit war meine Kleidung schon immer Jeans und Shirt, selten auch mal Rock oder Kleid.

    Ein bisschen möchte ich aber doch raus aus dem Jeans-und-Shirt-Trott. Deshalb ist ja letztens auch mein Basic-Kleid entstanden.

    Ich bin gespannt auf nächste Woche. Bei Dir gibt es bestimmt in Sachen Muster und Farbe etwas zu berichten.

    Liebe Grüße,
    Elke

  4. Hallo
    Vielen Dank für den Denkanstoß. Ich sollte wohl auch mal ausmisten. Mein Frühjahrsputz bezieht sich sonst immer nur auf Garten und Haushalt, dabei hätte es der Kleiderschrank bitter nötig.
    Für den Mantel würde ich den schwarz-grau geblümten Stoff im zweiten Bild links empfehlen. Einfach weil ich denke, das so ein Futter die Kombination mit vielen anderen Oberteilen zulässt.

    LG Mira

  5. „Und weil sich nichts zu kaufen fand, was diesen Anforderungen gerecht werden konnte“
    Wie oft habe ich genauso gedacht, liebe Catrin! Je tiefer ich in die Me-Made-Phase eintauche, desto mehr befürchte ich, dass ich nie wieder ein Kleidungsstück kaufen kann, ohne dabei zu überlegen, was ich zu Hause noch alles verändern muss, bevor es mir wirklich gefällt. Sei es, dass der Schnitt nicht optimal sitzt oder ich einfach nicht die Farbkombination finde, die ich mir vorstelle .. für mich liegt der Reiz in selbstgenähter Kleidung ganz klar darin, dass ich bestimme, wie es aussehen wird. Das braucht Zeit, ist aber viel erfüllender als der kurzfristige Reiz eines schnellen Kaufes.

    Nun, da mir die Qualität meiner Werke immer besser gefällt, heißt es für mich, den preiswerten Stoffen Lebewohl zu sagen und mich mit hochwertigen Stoffen auseinanderzusetzen. Dann hab ich auch noch länger was davon ..

    Liebste Grüße und bis bald
    Sindy

  6. Mir gefallen übrigens die bunten Blumen am besten. Ein schöner Kontrast zum schwarzen Stoff. Witzig, dass Du auch gerade an eine Jacke für Dich planst :))

  7. Ach ja, so ein Wunschkleiderschrank. Das wäre was feines! Ich bekomme das derzeit ja noch nicht mal mit Kaufkleidung hin. Aber jetzt im Frühling bin ich zumindest hochmotiviert, es mal wieder anzugehen …

    Ich freue mich jedenfalls schon auf deine Lieblingsteile …

  8. Toller Beitrag, sehr inspirierend!
    Mir gefällt übrigens der schwarz-grau geblümte Stoff am besten für einen Basic Mantel, auch wenn die bunten sehr verlockend wären… ; )
    Herzliche Grüße
    Karin

  9. Ich wollte doch noch schreiben, welchen Futterstoff ich am besten finde. Im unteren Bild den rechten (braun mit großen Blüten).

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