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Sewing Duet: Vertrösten

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Während mein Blazer fertig (!) im Schrank hängt, näht Sindy noch – Zeit für mich, vor der Präsentation ein paar Gedanken zu diesem Nähprojekt als Ganzes einzuschieben. Dabei vielleicht mehr Fragen zu stellen, als Antworten zu geben.

Als Erstes nämlich die Frage: Wozu das Ganze? Wozu der Schweiß über den Taschen, die Nervosität beim Ansetzen des Kragens, die zerstochenen Fingerspitzen bei den letzten Handstichen am Futter?

Nicht wirklich, weil ich einen Blazer „brauchte“. Sondern… Weil ich’s wissen wollte. Weil ich es mir eingebildet habe. Weil ich dachte, diese näherische „Königsdisziplin“ nicht auslassen zu wollen.

Und: Weil mich das Ergebnis unglaublich stolz macht – weil ich die Herausforderung angenommen und bewältigt habe, und dies noch dazu auf eine Weise, die mich – für den ersten Versuch, ohne vorherige Erfahrungen in beinahe sämtlichen aufwändigen Details und ihren Techniken – durchaus zufriedenstellt. Weil ich nun ein Kleidungsstück mein eigen nenne, das durch und durch meinen Vorstellungen entspricht, und das ich – zu allem Überfluss – von vorne bis hinten selbst hergestellt habe.

Zweitens aber: Muss das eigentlich sein? „Lohnt“ sich all der Aufwand? Kann ich nicht einfach ins Geschäft gehen, und mir eine Jacke kaufen? Irgendetwas wird sich schon finden, das sich in meine Garderobe fügt, gut sitzt und mir allgemein zusagt. – Und ich denke: Ja, ich kann es. Meine Neugier bezüglich der Herstellung eines derart komplexen Kleidungsstückes ist vollauf befriedigt: Neugier bezüglich der tatsächlichen Umstände, der Dauer, der nötigen Ausdauer.
Weshalb also, drittens: Weshalb spreche ich vom „ersten Versuch“? Wird es einen weiteren geben? Ich denke: Ja. Aber frühestens, sagen wir… im nächsten Sommer. Momentan freue ich mich auf weniger komplexe und komplizierte Nähprojekte, es gilt, für Weihnachten diverse Kleinigkeiten herzustellen – Kleinigkeiten, die mir vor dem Blazer durchaus nicht unbedingt als solche erschienen wären. Ich habe sehr viel lernen dürfen, habe einen anderen Blick auf das Nähen und das Genähte gewonnen. Ich arbeite ein wenig anders, manches geht mir leichter von der Hand als zuvor. Ich sehe mir Schnitte anders an als vorher, frage deutlicher nach geeignetem Material für den jeweiligen Schnitt: was wohl auch daran liegt, dass in Fall meines Blazers Schnitt und Material nicht so glatt zusammengingen.

Ein zweiter Blazer also, oder vielleicht eine etwas weniger aufwändige Jacke. Es gäbe den ein oder anderen Schnitt, der mich reizen würde – und ich würde es mir zutrauen, ein solches weiteres Großvorhaben alleine anzugehen.

Aber schließlich: Was sage ich, wenn mich jemand darauf anspricht? Um ehrlich zu sein – meist ist es mir eher unangenehm, nach meinem Selbstgenähten gefragt zu werden. Die Kinderblüschen und -kleidchen, die diversen Accessoires der Kinder, Shirts und Sweats – meine eigenen Kleidungsstücke… Ich bin da eher zurückhaltend. „Ja, selbstgenäht, ja, aufwändig und kompliziert, es hat eben jeder so sein Hobby…“ Und bei einem Blazer? Ja: mein eigener Stolz, aber dennoch eine Verlegenheitsfalle.

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3 Kommentare zu “Sewing Duet: Vertrösten

  1. Herzlichen Glückwunsch zum ersten selbstgenähten Blazer, ich bin sehr neugierig auf die Präsentation und hoffe, die Verlegenheitsfallen tun sich so selten auf, dass das gute Gefühl überwiegt.
    Sei herzlich gegrüßt von Nina

  2. Applaus!!!! Vollendet!!!! Bilder!!!!
    Muss nur jetzt erst mal das kranke Kind versorgen – bin gerade aus Berlin zurück und hier gibt es eine Virusleiche….

    Alles Liebe
    Die Pitti

  3. Ja genau, die Neugier.
    Kann ich das? Und wie funktioniert ein Revers? Und wo muss ich wie verstärken?
    Klar muss man das nicht können oder wissen, aber das Herumpopeln macht einfach Spaß und man lernt nicht nur was über die Näherei, sondern auch über die eigene Leidensfähigkeit und Geduld 🙂

    Sei stolz auf deine Schen, nicht nur virtuell sondern auch im echten Leben. Du hast Geschmack, gute Ideen und die nötige Präzision. Super, oder?

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