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Sewing Duet: Ungewohnte Reihenfolge

8 Kommentare

Mein „Herzlich Willkommen“ im Nähkurs vergangene Woche war von einigen Überraschungen begleitet. Normalerweise

(1) beschaffe ich für ein Nähprojekt zuerst alles nötige Material,

(2) lese die komplette Anleitung,

(3) schneide sämtliche Teile zu,

(4) übertrage Markierungen,

(5) bügle Einlage auf,

um dann, der Anleitung folgend,

(6) die Teile nach und nach zusammenzufügen.

In vielen Dingen bin ich ein Gewohnheitsmensch: „Never change a running system“. Der Blazer des Sewing Duets von Ms. Fisher und dem :: stoffbüro :: sprengt jedoch schon von Beginn an alle funktionierenden Systeme:

(1) Es fehlen mir noch die Knöpfe und das Ärmelfutter, Einlage und Schulterpolster,

(2) ich habe versucht, die Anleitung nachzuvollziehen, bin aber kurz nach dem einigermaßen zerklüfteten „mittleren Vorderteil“ ausgestiegen.

Sewing Duet: Ungewohnte Reihenfolge

Alles anders also:

Drittens nämlich empfahl mir meine professionelle Anleiterin in der ersten Sitzung des Nähkurses, zunächst alle Teile für den Rumpf zuzuschneiden, zusammenzuheften und also vor dem Zusammennähen mit der Maschine anzupassen. Erst dann sollte ich überhaupt die Ärmel ausschneiden, denn – klar: Sollten Änderungen an den Ärmellöchern vorgenommen werden müssen, müsste beim Zuschneiden der Ärmel direkt geändert werden.

Zum Kurs erschienen war ich selbstverständlich mit meinem obigen Punkteplan, in der festen Annahme – oder: vagen Hoffnung?, die Dame würde mir bei der Rückkehr ins System helfen. Es spricht für ihre vertrauenseinflößende Kompetenz, dass ich eben jenes System dann sehr gerne und endgültig über Bord geworfen habe, schließlich: Als ausgebildete Schneiderin muss sie es wissen – was bleibt mir also anderes übrig? Wenn der Blazer gelingt, dann nur unter ihrer Ansage; und wenngleich mir das Projekt von vorneherein ein wenig entgleiten musste, bin ich bester Dinge.

Nachdem die Kursleiterin zunächst mich und dann den Schnitt ausgemessen hatte, wurde die Größe 36 abgesegnet, mit erheblichen Sicherheitsreserven in den Nahtzugaben.

Den Zuschnitt der Rumpfteile – der mittleren und seitlichen Vorderteile, der seitlichen und mittleren Rückenteile – musste ich exakt mitpinnen. Meine Lehrerin war überrascht – „Sie schreiben ja ganze Romane“, nun ja: Wenn sie sie mir diktiert?

Nahtzugaben:

  • Seitennähte (zwischen den seitlichen Rücken- und Vorderteilen): 2,5cm
  • Teilungsnähte (zwischen mittleren und seitlichen Rücken- bzw. Vorderteilen): 2cm
  • rückwärtige Mittelnaht: 2,5cm
  • unten (Saum): 6cm
  • vorne: 1cm
  • Ärmel, Schultern, Halsausschnitt (auch am Vorderteil): 1,5cm

Das sollte man sich doch besser mitschreiben.

Nachdem die vier Schnittteile dementsprechend ausgeschnitten waren, habe ich tatsächlich die Markierungen übertragen – ganz der Gewohnheit entsprechend, mit Kopierpapier und Rädchen, allerdings war einiges mehr zu übertragen als bei meinen bisherigen Projekten. An markanten Stellen und komplizierten Ecken habe ich auch die vorgesehene Nahtlinie angezeichnet, um mit den unterschiedlichen Nahtzugaben nicht durcheinander zu kommen:

Sewing Duet: Ungewohnte Reihenfolge

Sewing Duet: Ungewohnte Reihenfolge

Sewing Duet: Ungewohnte Reihenfolge

So sah am Ende des ersten Kursabends mein Zuschnitt aus. Hausaufgabe bis zum nächsten Mal: Den Rumpf mit den entsprechenden Nahtzugaben heften. Dazu muss der Brustabnäher schon mit der Maschine genäht werden, und das heißt auch: Ich muss den Paspelansatz einschneiden (bis ca. 0,5cm vor dem Abnäher), um den Stoff an den Abnäherlinien zusammenlegen zu können. Das ist eine ziemlich endgültige Sache; von dem Stoff hätte ich keine Reserven. Wenn dieser Schnitt gründlich daneben gehen sollte, müsste ich mir eine Alternative besorgen. Gleich werde ich die Schere zücken!

Außerdem muss ich die passende Einlage besorgen. Wir haben uns auf eine mittelschwere Gewebeeinlage verständigt (z.B. Vlieseline G700): Sie sorgt für mehr Griffigkeit und Festigkeit, ohne allzu steif zu sein (wie normale Einlage). Die Einlage ist, zum gegebenen Zeitpunkt, mitsamt Nahtzugabe zuzuschneiden. Aha. Auch das klingt logisch, ich habe es dennoch bislang anders gemacht.

In der nächsten Sitzung wird das Geheftete angepasst, und genäht. Für letzteres habe ich direkt und auf Empfehlung noch ein Werkzeugchen erstanden:

Sewing Duet: Ungewohnte Reihenfolge

Eine magnetische Saumhilfe, die so auf der Maschine platziert wird, dass der Stoff genau entlang der jeweiligen Nahtzugabe geführt werden kann. Gerade bei meinen 1001 verschiedenen Werten scheint mir das eine vernünftige Anschaffung, die mit ein paar Euro fünfzig auch nicht die Welt gekostet hat.

Bevor ich jetzt den entscheidenden Schnitt wage, möchte ich noch gucken, ob sich bei Sindy etwas getan hat: Hast Du Dich schon für einen Stoff entschieden? Knöpfe? Futter?

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8 Kommentare zu “Sewing Duet: Ungewohnte Reihenfolge

  1. Ui das ist ja spannend! 🙂 Ich find’s super, dass du dich so auf die andere Arbeitsweise einlassen kannst! Achja und das mit dem Mitschreiben lass‘ dir bloß nicht ausreden… wir sind ja schließlich neugierig hier 😀

  2. Meine Güte …
    Da brauch ich erstmal noch einen Kaffee. Wow. Ein anderer Planet, kann man sagen.
    Sehr spannend aber, ich wünsche viel Erfolg, einen guten Start in die Woche und werde die Entwicklung des Blazers auf jeden Fall weiter verfolgen.
    Alles Liebe von Nina

  3. Das klingt doch ziemlich kompliziert! Ich weiß nicht, ob das was für mich wäre, ich nähe ja eher drauf los, ohne bereits alle Materialien zu haben und ohne vorher die Anleitung durchzulesen 😉
    Ich bin schon gespannt auf deine weiteren Erfahrungen, denn irgendwann will ich mir auch noch den perfekten Blazer oder Mantel nähen. Einmal hab ich mich schon an einer Jacke versucht, die sieht am Kleiderbügel auch gut aus, steht mir aber gar nicht….
    LG, Steffi

  4. Hach, Deine Beschreibung macht so viel Lust auf mehr!!! Am liebsten würde ich sofort meine Sachen packen und mich auf den Weg zum Kurs machen 😉

    Mit Deiner ausführlichen Beschreibung legst Du für mich die Messlatte ganz schön hoch und das ist auch gut so! Wir wollen ja schließlich Qualität bieten! Es ist schön zu sehen, dass wir uns da in der gleichen Sphäre bewegen! Ich werde mir Mühe geben, ebensoviele Informationen weiterzugeben, wie Du!

    Am Mittwoch ist es ja wieder soweit, oder? Ich bin gespannt, was Du dann erzählen wirst und ob sich die Aussagen der 2 Nähkursleiterinnen decken!

    Alles Liebe und bis ganz bald, Sindy

  5. Puh. Und wow. Und Mannomann. Um Jottes Willen sowieso……..
    Wirklich, das hört sich nach einer wahren Herausfordeung an. Und so, als musste man ebenso mutig wie geduldig sein, sie anzunehmen! 😉
    Das mit der Einlage inklusive Nahtzugabe…… Hmm. Logisch? Bitte bitte schlüssele das doch noch ein bisschen auf…. Ich kapier’s nicht. Wozu denn…??

    Lustig, dass die gute Frau Lehrerin meinte, sie müsse sich erstaunt zeigen, ob Deiner Notizen…. Also bitte: NATÜRLICH musst Du das mitschreiben…!!!! Das ist ja nun wirklich nicht wenig, was sich da zu merken gilt. Uff!

    Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Spass beim Machen dieser neuen Erfahrung, und von gespannt auf weitere Ausführungen Deiner Erlebnisse,

    Ein ganz lieber Gruß von
    Doro
    🙂

    • He Doro, wie schön, von Dir zu lesen!
      Die Einlage soll deshalb inkl. NZ zugeschnitten werden,d amit sie beim Nähen mit gefasst wird. Durch das Bügeln alleine hält sie nicht 100%, weil so ein normales Bügeleisen nicht mit einer Presse zu vergleichen ist, wie sie bei der industriellen Produktion verwendet wird. Deshalb kann es vorkommen, dass bebügelte Teile nach der Wäsche ein wenig krumpelig sind. Und wenn man die Einlage beim Nähen mitfasst, käme das eben weniger vor, meint die Lehrerin.
      Wieder was gelernt. Und ja: Ich schreibe fleißig mit. Natürlich auch, um es zu posten – aber das möchte ich nicht versuchen, der Dame zu erklären. Ich habe den größten Respekt vor ihren professionellen Kenntnissen, aber sie ist eben schon älteren Semesters, und hat zum Internet nicht so wirklich einen Draht 😉
      Alles Liebe nach Brasilien!
      Catrin

  6. Schon alleine das Lesen deines Post war mit zu kompliziert 😉 Also so ein Projekt werde ich galube ich nie in Angriff nehmen. Solche Kleidungsstücke werde ich auch in Zukunft kaufen.
    Aber ich bewundere dich, dass du den Blazer wirklich selber Nähen willst. Wenn ich nur heften häre, denke ich an die Schule und daran, wie ich das gehaßt habe.
    Viel Glück weitherhin ich bin schon auf die nächsten Schritte gespannt.
    lieber Gruß
    dodo

  7. Buh, ich bin beeindruckt. Also, ich verfahre auch noch Deiner Methode, wobei die erklärte wohl durchaus Sinn macht.
    Ich finde es sehr spannend und super interessant. Ich werde es auf jeden Fall weiter verfolgen…

    Ich habe irgendwo mal gehört, dass manche computergesteuerten Maschinen sich nicht mit Magnetzubehör jeglicher Art vertragen, ich weiß ja nicht auf was für einer Maschine Du nähst…

    LG
    Theresa

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